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Fachwissen zur Regenwasserversickerung

Regenwasserversickerung nach DWA-A 138: Grundlagen, Systeme & Planung

Orientierung für Grundstücksbesitzende, Planende und Kommunen: rechtliche Grundlagen, Systeme zur Versickerung und die fachgerechte Planung einer Anlage nach DWA-A 138 – mit Planungsservice durch ABW Oikoartec.

Die Versickerung von Regenwasser direkt auf dem eigenen Grundstück wird immer wichtiger. Sie ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch gesetzlich bevorzugt (§ 55 WHG). Gleichzeitig führt sie in vielen Kommunen zu deutlich geringeren Niederschlagswassergebühren.

Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA) betont:

„Die Rückführung des Niederschlagswassers in den natürlichen Wasserkreislauf möglichst nahe am Ort des Anfalls ist ein ökologisch, wasserwirtschaftlich und technisch sinnvolles Ziel.“ (DWA-A 138, Oktober 2024)

Ihre Vorteile im Überblick

  • 🌱 Umweltfreundlich – unterstützt den natürlichen Wasserkreislauf
  • 💸 Gebühren sparen – weniger Einleitung = weniger Abwassergebühren
  • 💧 Grundwasserneubildung – wichtig in trockenen Regionen
  • 🏡 Mehr Sicherheit bei Starkregen
  • 🌡️ Bessere Kühlung im Garten dank Verdunstung
  • 🚫 Entlastung der Kanalisation

Regenwasserversickerung ist damit ökologisch, technisch sinnvoll und wirtschaftlich attraktiv.

Praxis-Tipp: Viele Kommunen gewähren deutliche Ermäßigungen bei der Niederschlagswassergebühr, wenn Regenwasser auf dem eigenen Grundstück versickert wird. Die Niederschlagsgebühren entfallen gänzlich, wenn das Regenwasser abflusslos versickert.

Die DWA-A 138 ist das zentrale technische Regelwerk in Deutschland zur Planung, Bemessung und Ausführung von Versickerungsanlagen.

Sie definiert unter anderem:

  • technische Anforderungen
  • Mindestabstände zum Grundwasser
  • notwendige Vorreinigung
  • zulässige Systeme
  • Bemessungsverfahren
  • Reinigungswirkung der bewachsenen Bodenzone
  • Einsatzgrenzen je Bodenart

✔️ Alle Anlagen müssen nach DWA-A 138 geplant werden.
✔️ ABW Oikoartec übernimmt die komplette Ingenieursbemessung für Sie.

Hier finden Sie die wichtigsten DWA-konformen Systeme mit kurzem Überblick.

3.1 Flächenversickerung

Weitere Bezeichnungen: Flächenversickerung, natürliche Versickerung oder bewachsene Bodenzone

Die naturnächste Form der Versickerung. Das Regenwasser versickert direkt über eine begrünte Fläche.

Die DWA beschreibt sie als:

„Der natürlichen Versickerung am nächsten.“

Vorteile:

  • beste Reinigungswirkung
  • ökologisch wertvoll
  • kostengünstig
  • ideal für Gärten & Rasenflächen
Grafik: Flächenversickerung

3.2 Muldenversickerung (Versickerungsmulde)

Weitere Bezeichnungen: Regenwassermulde, Versickerungsmulde oder DWA-konforme Muldenversickerung

Eine bepflanzte Senke sammelt Regenwasser und lässt es kontrolliert versickern.

Technische Vorteile:

  • hohe Stoffrückhaltung über die Bodenzone
  • sehr leistungsfähig
  • gute Integration in Gärten
Grafik: Muldenversickerung

3.3 Rigolenversickerung (unterirdisch)

Weitere Bezeichnungen: Rigole, Rigolenkörper, Tunnelrigole oder Regenwasserrigole

Unterirdische Speicher aus Kies oder Kunststoff, die Wasser aufnehmen und in den Boden abgeben.

Geeignet für:

  • kleine Grundstücke
  • Einfahrten
  • Terrassen
  • Bereiche ohne Platz für Mulden

Vorteile:

  • unsichtbar
  • hohe Speicherkapazität
Grafik: unterirdische Rigolenversickerung

3.4 Mulden-Rigolen-Kombination

Weitere Bezeichnungen: Mulden-Rigolen-System oder Kombiversickerung

Die leistungsstärkste Lösung für viele Grundstücke.

Die DWA beschreibt:

„Auch bei geringen Durchlässigkeitsbeiwerten oder geringem Platzangebot einsetzbar.“

Aufbau:

  • oben: Mulde
  • unten: Rigole als großer Speicher

Vorteile:

  • doppelte Reinigungsleistung
  • hohe Speicherkapazität
  • sehr platzsparend
  • optimal für Neubaugebiete
Grafik: Mulden-Rigolen-Kombination

3.5 Versickerungsschächte (Sickerschächte)

Weitere Bezeichnungen: Versickerungsschacht Typ A / Typ B oder Sickerschacht

Vertikale Schächte zum Ableiten des Wassers in tiefere Bodenschichten.

Ein Versickerungsschacht ist ein unterirdischer Speicher, in dem Regenwasser gesammelt und langsam in den Boden geleitet wird. So wird das Kanalsystem entlastet und Grundwasser gebildet. Damit Schadstoffe aus dem Regenwasser nicht ins Grundwasser gelangen, wird das Wasser vor dem Schacht in einer Reinigungsanlage behandelt. Es gibt zwei Haupttypen:

  • Typ A: Das Wasser versickert seitlich durch Öffnungen in den Schachtringen in den Boden. Die Reinigung findet ausschließlich in der vorgeschalteten Behandlungsanlage statt.
  • Typ B: Am Schachtboden liegt eine spezielle Sandschicht, durch die das Wasser nach unten durchsickert. Diese Filterschicht sorgt zusätzlich für Reinigung, somit hat Typ B eine höhere Reinigungswirkung.
  • Versickerungsschächte dürfen schützende Bodenschichten über dem Grundwasser nur in begründeten Ausnahmefällen und in Abstimmung mit der Wasserbehörde durchdringen.

Wann ist der Einsatz von Versickerungsschächten sinnvoll?

  • wenn oberer Boden wenig durchlässig
  • wenn wenig Fläche vorhanden
  • wenn punktuelle Versickerung erforderlich
Grafik: Schachtversickerung

Welches das richtige System für Ihr Grundstück ist, hängt von folgenden Faktoren ab:

  • Bodenart (Sand, Lehm, Ton, Kies)
  • Durchlässigkeit des Bodens (kf-/ki-Wert)
  • Grundwasserstand
  • verfügbarer Platz
  • Größe der Dach- und Hofflächen
  • kommunalen Vorgaben

💡 Wichtig: Die endgültige Dimensionierung erfordert immer eine hydraulische Berechnung.

➡️ ABW Oikoartec übernimmt die komplette Ingenieurplanung und erstellt einen normgerechten Versickerungsnachweis.

Bodenanalyse
Hydraulische Berechnung
Systemvergleich
Kommunale Vorgaben

Schritte zur Planung & Bemessung einer Versickerungsanlage nach DWA-A 138:

  1. Bodentest / Sickertest zur Ermittlung der Durchlässigkeit des Bodens (kf/ki)
  2. Ermittlung der abflusswirksamen Fläche (AC) für Dach-, Wege- und Hofflächen
  3. Vorreinigung klären: DWA unterscheidet belastete und unbelastete Flächen
  4. Bemessung (DWA-konform) durch ABW Oikoartec:
    • benötigte Versickerungsfläche
    • Speichervolumen
    • Einstauhöhen
    • Entleerungszeiten
    • Mindestabstände
    • Reinigungsleistung
  5. Produktauswahl & Lieferung: Empfehlung des passenden Systems:
    • Mulde
    • Rigole
    • Mulden-Rigolen
    • Schacht
    • Becken
    • Filteranlagen
    • Drainage- / Geotextile
    • Rigolenkörper
  6. Einbau durch GaLaBau- oder Tiefbaubetriebe

Zweck des Sickertest:

Mit dem Sickertest wird gemessen, wie gut Regenwasser im Boden versickern kann. Daraus wird der sogenannte kf-Wert [m/s] berechnet. Dieser Wert ist wichtig, um Versickerungsanlagen (z. B. Sickerboxen) richtig zu dimensionieren.

Sickertest - konkrete Schritte:

  1. Standort der geplanten Versickerung festlegen
  2. Grube ausheben mit:
    • Länge: 50 cm
    • Breite: 50 cm
    • Tiefe: 1 m unter dem geplanten Zulaufniveau
  3. Bodensättigung herstellen:
    1. Die Grube bis ca. 1 m Höhe mit Wasser füllen.
    2. Den Wasserstand 1 Stunde lang möglichst konstant auf 1 m halten:
      • Sinkt der Wasserspiegel, immer wieder bis zur 1-m-Marke nachfüllen.
    3. Nach etwa 1 Stunde gilt der Boden als wassergesättigt.
  4. Messung durchführen
    1. Wasserstand erneut exakt auf 1 m einstellen.
    2. Messphase starten (Gesamtdauer: 1 Stunde).
    3. Alle 15 Minuten den aktuellen Wasserstand ablesen:
      • nach 15 Minuten
      • nach 30 Minuten
      • nach 45 Minuten
      • nach 60 Minuten
    4. Für jede Messung die Absenkung im Vergleich zur vorherigen Messung berechnen.
    5. Aus mindestens 4 Absenkungen den Mittelwert bilden (Summe durch 4 teilen).
      Ergebnis: durchschnittliche Absenkung in 15 Minuten (z. B. in cm).
  5. Beispielrechnung:

    • nach 15 min: Absenkung 5 cm
    • nach 30 min: Absenkung weitere 3 cm (8 cm – 5 cm)
    • nach 45 min: Absenkung weitere 2 cm (10 cm – 8 cm)
    • nach 60 min: Absenkung weitere 1 cm (11 cm – 10 cm)

    Summe der Absenkungen: 11 cm
    Mittelwert: 11 cm ÷ 4 = 2,75 cm Absenkung je 15 Minuten


    kf-Wert berechnen

    Berechnungsschritte (vereinfacht):

    1. Mittelwert von cm in Meter umrechnen (z. B. 2,75 cm ≈ 0,028 m).
    2. Messzeit je Schritt: 15 Minuten = 900 Sekunden.
    3. kf-Wert = Absenkung [m] ÷ Zeit [s]

    Beispiel:
    0,028 m ÷ 900 s ≈ 3,1 · 10-5 m/s

    Je größer der kf-Wert, desto schneller kann Wasser im Boden versickern.


    Einordnung des kf-Werts nach Bodenart

    Typische Bereiche der Wasserdurchlässigkeit:

    • Reiner Kies: 10-1 bis 10-2 m/s – sehr starke Wasserdurchlässigkeit
    • Grobkörniger Sand: 10-3 m/s – starke Wasserdurchlässigkeit
    • Mittelkörniger Sand: 10-3 bis 10-4 m/s – mittlere Wasserdurchlässigkeit
    • Feinkörniger Sand: 10-4 bis 10-5 m/s – schwache Wasserdurchlässigkeit
    • Schluffiger Sand: 10-5 bis 10-7 m/s – sehr schwache Wasserdurchlässigkeit
    • Toniger Schluff: 10-6 bis 10-9 m/s – nahezu keine Wasserdurchlässigkeit
    • Ton: 10-7 bis 10-12 m/s – praktisch keine Wasserdurchlässigkeit

    Die Grenze zwischen noch wasserdurchlässigem und nahezu undurchlässigem Boden liegt etwa bei 10-6 m/s.

Ihre Vorteile mit ABW Oikoartec:

  • Ingenieurplanung & Fachberatung
    Wir berechnen Ihre Versickerungsanlage nach den Vorgaben der DWA-A 138 (Oktober 2024).
  • Komplette Produktpalette
    Alles aus einer Hand: Rigolen, Schächte, Filteranlagen, Geotextilien, Zuleitungen uvm.
  • Für Privatkundschaft & Profis
    Egal ob Eigenheim, Neubaugebiet, Gewerbe oder Kommune.
  • Herstellerunabhängig & lösungsorientiert
  • Einfache Umsetzung mit Einbaubetrieben

💡 Eine fachgerecht geplante Versickerungsanlage nach DWA-A 138 bietet:

  • ökologische Vorteile
  • rechtliche Sicherheit
  • hohe Betriebssicherheit
  • Kostenvorteile bei Gebühren
  • Schutz bei Starkregen

Mit der Kombination aus Beratung + Berechnung + Produkten liefert die ABW Oikoartec GmbH das komplette Rundum-Paket.

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