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Fachwissen zu Naturfarben

Gesunde Wandfarben: Naturfarben, Schimmelschutz & wohngesundes Streichen

Antworten auf die häufigsten Fragen zu schadstofffreier Wandfarbe, passenden Farben für Schlafzimmer & Kinderzimmer, schimmelresistente Lösungen fürs Bad sowie Grundlagen zu Naturfarben – mit Praxis-Tipps für die Auswahl von Ihren ABW Profis mit mehr als 20 Jahren Erfahrung mit Naturfarben.

Als besonders wohngesund gelten Naturfarben bzw. mineralische Wandfarben, weil sie in der Regel emissionsarm sind und ohne klassische Lösemittel- und Weichmacherpakete auskommen. Für viele Haushalte sind das die besten Optionen, wenn „schadstofffrei“ bzw. „gesundheitlich unbedenklich“ gesucht wird.

Bewährte, wohngesunde Farbtypen

  • Silikatfarben: mineralisch, sehr diffusionsoffen, alkalisch
  • Kalkfarben: mineralisch, feuchtigkeitsregulierend, schimmelunfreundlich
  • Lehmfarben: feuchtepuffernd, geruchsbindend, sehr angenehmes Raumklima
  • Kaseinfarben: meist milcheiweißbasiert, es gibt aber auch vegane Kaseinfarben mit Kasein aus Pflanzeneiweiß (bei unklarer Deklaration bitte beim Hersteller anfragen), diffusionsoffen, robuste Oberfläche je nach System
  • Naturharz-Dispersionsfarben: pflanzenbasiert, oft guter Allrounder für viele Untergründe
Kauf-Tipp: Umwelt- und Gesundheitslabels sind leider keine Garanten für wirklich gesunde Wandfarben, da sie einige bedenkliche Inhaltsstoffe tolerieren. Wer wirklich sicher gehen will, achtet auf Volldeklaration der Inhaltsstoffe und das Sicherheitsdatenblatt.
Bedenkliche Inhatsstoffe: Additive, Entschäumer, Hilfsstoffe, Konservierungsmittel, Kunststoffdispersion.

In Schlaf- und Kinderzimmern sind geruchsarme, emissionsarme Anstriche besonders wichtig, weil sich Menschen dort viele Stunden aufhalten.

Empfehlung für die Praxis

  • Mineralfarben (Kalk/Silikat) für ein sehr offenes, feuchteregulierendes System
  • Lehmfarbe für spürbar angenehmes Raumklima (Feuchtepuffer, oft als „weiches“ Raumgefühl wahrgenommen)
  • Naturharz-Dispersionsfarbe, wenn ein sehr robuster, gut zu reinigender Anstrich gewünscht ist
Wichtig: „Gesund“ ist nicht nur die Farbe: Untergrund, Grundierung und ggf. Spachtelmasse sollten ebenfalls möglichst emissionsarm gewählt werden – sonst limitiert das System die Wohngesundheit.

„Ökologisch“ bedeutet bei Wandfarben meist: natürliche Rohstoffe, niedrige Emissionen, transparente Deklaration und möglichst wenig problematische Zusätze.

So erkennen Sie wirklich umweltfreundliche Wandfarben schneller

  • Eine Volldeklaration der Inhaltsstoffe muss vorliegen
  • Emissionsarm / geruchsarm (besonders relevant bei Innenfarben)
  • Keine Konservierungsmittel (wichtig für sensible Personen und Allergiker*innen)
  • Systemdenken: Farbe + Grundierung + Untergrund müssen zusammenpassen. Für optimale Wohngesundheit sollten alle Systemkomponenten ebenfalls möglichst emissionsarm gewählt werden.
Emissionsarm
Mineralisch / Naturrohstoffe
Diffusionsoffen
Transparente Deklaration

Naturfarben sind Anstriche, deren Bindemittel und Pigmente überwiegend aus natürlichen Rohstoffen stammen und die möglichst ohne klassische Lösemittel- und Konservierungsstoffpakete auskommen. In der Praxis werden Naturfarben häufig nach dem Bindemittel unterschieden.

Die 5 gängigen Naturfarben (nach Bindemittel)

  • Lehmfarbe – feuchteausgleichend, angenehmes Raumklima
  • Silikatfarbe – mineralisch, sehr diffusionsoffen, robust
  • Kalkfarbe – mineralisch, feuchteregulierend, schimmelunfreundlich
  • Kaseinfarbe – meist milcheiweißbasiert, es gibt aber auch vegane Kaseinfarben mit Kasein aus Pflanzeneiweiß (bei unklarer Deklaration bitte beim Hersteller anfragen), diffusionsoffen, robuste Oberfläche je nach System
  • Naturharz-Dispersionsfarbe – pflanzenbasiert, oft sehr alltagstauglich
Praxis-Tipp: Nicht jede Naturfarbe passt auf jeden Untergrund. Besonders Silikat- und Kalksysteme benötigen häufig mineralische, tragfähige Untergründe. Im Zweifel: Untergrund prüfen (oder beraten lassen).

Wandfarbe kann Schimmel nicht „wegzaubern“, aber die richtige Wahl unterstützt ein schimmelunfreundliches Umfeld – vor allem durch Diffusionsoffenheit und (bei mineralischen Farben) ein alkalisches Milieu.

Bewährte Optionen

  • Silikatfarben – sehr diffusionsoffen und alkalisch (Schimmel findet schlechtere Bedingungen)
  • Kalkfarben – ebenfalls alkalisch, feuchteregulierend
Wichtig für echten Schimmelschutz: Ursache klären (Wärmebrücke, fehlende Lüftung, Leckage) und Raumklima verbessern. Farbe ist ein Baustein – keine alleinige Lösung.

In Feuchträumen braucht es eine Farbe, die Feuchtigkeit regulieren kann und das Risiko von Kondenswasser und Schimmel möglichst reduziert. Häufig ist eine diffusionsoffene, mineralische Farbe die beste Basis.

Silikatfarbe im Badezimmer

  • Ja, Silikatfarbe ist in vielen Fällen sehr gut geeignet – besonders auf mineralischen Untergründen.
  • Sie bleibt diffusionsoffen und ist durch ihre Mineralität oft schimmelunfreundlich.

Kalkfarbe im Badezimmer

Ja – Kalkfarbe (v. a. Sumpfkalk/Kalk-Innenfarbe) kann in Feuchträumen wie Bad/Küche gut funktionieren, wenn sie auf einen mineralischen, saugfähigen Untergrund kommt und der Raum regelmäßig gelüftet wird. Sie ist hoch diffusionsoffen und durch Alkalität schimmelhemmend.

Wichtig in der Praxis bei Silikatfarben und bei Kalkfarben:

  • Nicht im direkten Spritzwasserbereich: In Bereichen mit relevanter Wasserbelastung gelten Abdichtungsanforderungen (Wassereinwirkungsklassen nach DIN 18534) – dort braucht es Abdichtungssysteme/geeignete Beläge, nicht nur Farbe.
  • Untergrund muss passen: mineralisch (Kalk-/Zementputz, mineralische Spachtel etc.), tragfähig, frei von Dispersionsresten.
  • Mechanische Belastung beachten: Viele Kalkfarben und einige Silikatfarben sind nicht scheuerfest (z. B. teils niedrige Nassabriebklasse) – für stark beanspruchte Flächen ggf. mineralische Alternative mit höherer Beständigkeit wählen.
  • Lüften/Entfeuchten bleibt Pflicht: Farbe ersetzt keine Feuchteführung.

Muss die Farbe im Badezimmer anders sein?

  • Ja, mindestens sollte sie für Feuchtebelastung geeignet sein (und zum Untergrund passen).
  • In Spritzwasserzonen (z. B. direkt in der Dusche) sind meist andere Oberflächenlösungen sinnvoll als reine Wandfarbe.
Sicherheits-Tipp bei mineralischen Farben: Alkalische Produkte können bei Verarbeitung die Haut/Augen reizen. Schutzbrille/Handschuhe verwenden und angrenzende Flächen abdecken.

Profi-Tipp bei Kalkfarben: Kalkfarbe kann durch Nachseifen wesentlich widerstandsfähiger gemacht werden mit Seifenflocken, Marseiller Seife oder Glätteseife.

Haltbarkeit von Naturfarben

  • Pulverprodukte (z. B. Lehm-/Kaseinsysteme) sind trocken und ungeöffnet oft lange lagerfähig.
  • Selbst angerührte Kaseinfarbe angerührte Kaseinfarbe wird schnell unbrauchbar und sollte innerhalb von 2-3 Tagen verarbeitet werden.
  • Fertigware im Eimer (z. B. Naturharz-Dispersion oder fertig eingestellte Silikat-/Kalksysteme): Herstellerangaben beachten; nach Anbruch möglichst zügig verbrauchen, kühl und frostfrei lagern.
Praxis-Tipp für selbst angerührte mineralische Kalk-/Kaseinfarben
  1. Luftdicht abfüllen (Rand sauber, Deckel dicht), beschriften (Farbton/Datum).
  2. Langsam im Kühlschrank auftauen, dann sehr gründlich aufrühren/aufschlagen.
  3. Vor dem Einsatz Probeanstrich: Deckkraft, Geruch, Haftung prüfen.
  4. Wenn die Farbe schlecht/faulig riecht: entsorgen (nicht weiterverarbeiten).

Welche Wandfarbe macht den Raum gemütlich?

Gemütlichkeit entsteht meist durch warme, natürliche Farbtöne. Besonders beliebt sind Beige-, Sand-, Ocker-, Terrakotta- und warme Brauntöne. In großen Räumen dürfen diese Töne gern etwas dunkler sein, damit es behaglicher wirkt.

Sand
Beige
Ocker
Terrakotta
Warmgrau
Praxis-Tipps Farbberatung & Pigmente anmischen:
  • ABW-Shop bietet Kund*innen eine umfassende Farbberatung an. Vor Ort in Berlin-Neukölln können Sie eine Vielzahl von Farbproben erkunden und Ihren ganz individuellen Farbton anmischen lassen.
  • Auf dem Youtube-Kanal von ABW finden Sie ein Erklärvideo Pigmentfarben selbst herstellen: berechnen, anmischen, anwenden