Ihr Fachhandel für Regenwasserbewirtschaftung und ökologisches Bauen & Sanieren
close
Fachwissen zu Pigmenten

Praxiswissen Pigmente: Wandfarben, Putze, Lasuren, Öle & Lacke richtig pigmentieren

Hier erfahren Sie wie Pigmente klumpenfrei angerührt werden, welche Zugaben je Bindemittel sinnvoll sind und welche Besonderheiten (z. B. Ultramarin) zu beachten sind.

Wandfarben (z. B. Kalk-, Lehm- oder Kaseinfarben) lassen sich mit Pigmenten sehr gut abtönen. Entscheidend ist eine klumpenfreie Pigmentpaste und das homogene Einrühren in die Gesamtmenge.

Wandfarben werden meist mit maximal 8% Gewichtsanteil pigmentiert. Das bedeutet, dass die Pigmentmasse 8% des Gewichts der Farbe nicht überstegen sollte.

Beispiel:

10L Sumpfkalkfarbe gefüllt wiegen 15,7kg. 8% von 15,7kg sind 1,25kg. 10L Sumpfkalkfarbe gefüllt sollten also mit max. 1,25kg Pigment angemischt werden. Weniger geht immer. Achten Sie immer auf abweichende Herstellerangaben.

Bewährte Vorgehensweise:

  1. Pigment abwiegen und zunächst in wenig Wasser oder in einer kleinen Menge Farbe zu einer Paste anrühren.
  2. Paste idealerweise mindestens 12 Stunden "sumpfen" lassen (je länger, desto besser, siehe auch Punkt 6.).
  3. Paste in die Gesamtfarbe geben und maschinell gründlich aufrühren, bis keine Schlieren sichtbar sind.
  4. Probeanstrich anlegen (Trocknung abwarten) und bei Bedarf nachdosieren.
Praxis-Tipps:
  • Für reproduzierbare Ergebnisse Pigmentmenge (g), Produktcharge und Produktmenge dokumentieren.
  • Nach längerer Standzeit gut und gründlich durchmischen bevor die Arbeit fortgesetzt wird!

Putze werden (wie Wandfarben) meist mit maximal 8% Gewichtsanteil pigmentiert. Das bedeutet, dass die Pigmentmasse 8% des Gewichts der Farbe nicht überstegen sollte.

In der Regel werden Putzetrocken pigmentiert: Pigment wird dem trockenen Putzpulver zugegeben und zuerst gründlich trocken gemischt.

So gehen Sie vor:

  1. Pigment und Putzpulver trocken vermischen (am besten in einem Eimer mit Deckel oder in der Mischwanne).
  2. Vermischen mit Wasser: Immer erst das kalte Anmachwasser in den Eimer füllen, dann erst Putz/Pigment dazugeben.
  3. Probefläche anlegen und Farbton nach dem Antrocknen beurteilen.
Wichtig:
  • Je feiner und homogener die Trockenmischung, desto gleichmäßiger das spätere Farbbild im Putz.
  • Für reproduzierbare Ergebnisse Pigmentmenge (g), Produktcharge und Produktmenge dokumentieren.

Holzöle und Lacke auf Naturölbasis werden meist mit maximal 15 – 20% Gewichtsanteil pigmentiert:

  • 100g Pigment auf 1L Öl entspricht 10%-iger Pigmentierung
  • 50g auf 1L Öl entspricht 5%-iger, usw.
  • Für UV-Schutz ist i.d.R. eine mindestens 10%-ige Pigmentierung notwendig. Wichtig ist eine sehr gute Dispergierung, damit das Öl streifenfrei verarbeitet werden kann.

Vorgehen in der Praxis:

  1. Pigment in kleiner Menge geeignetem Lösemittel zu einer glatten Paste voranrühren und ca. 12 Stunden "sumpfen" lassen (siehe dazu Punkt 6.).
  2. Wenn das Produkt ein Lösemittel enthät, immer dasselbe zum Sumpfen verwenden, bei wasserbasierten Produkten kann es auch Wasser sein!
  3. Paste in das Gesamtöl einarbeiten und gründlich mischen (rühren/schütteln).
  4. Auf Probeholz testen (Trocknung beachten) und erst dann die Fläche behandeln.
Praxis-Tipps:

Rühren/Schütteln: das Pigment-Öl-Gemisch mit 3 – 5 Glasmurmeln drin schütteln. Die Murmeln sorgen für eine schöne Verteilung des Pigments.

Für eine gleichmäßige Pigmentverteilung während der Verarbeitung regelmäßig kurz aufrühren (Pigmente können sich absetzen).

Lacke (wasserbasiert oder lösemittelbasiert) können pigmentiert werden – entscheidend ist, dass Pigment und Lacksystem kompatibel sind und die Pigmente sehr fein verteilt werden.

Grundregeln:

  • Pigment immer zuerst in einer kleinen Menge Bindemittel/Lack voranrühren und ca. 12 Stunden "sumpfen" lassen (siehe dazu Punkt 6.).
  • Danach in die Gesamtmenge geben und maschinell homogenisieren.
  • Bei hoch beanspruchten Flächen (z. B. Boden) Pigmentierung technisch prüfen; oft wird nur die Grundierung pigmentiert.
Hinweis: Pigmentzugabe verändert Viskosität und Deckkraft. Immer eine Musterfläche anlegen und Verarbeitungseigenschaften prüfen.

Wandlasurbindemittel werden pigmentiert, um transparente bis halbtransparente Effekte zu erzielen. Für gleichmäßige Lasuren ist feinste Pigmentverteilung besonders wichtig, da Schlieren schnell sichtbar werden.

Empfohlene Vorgehensweise:

  1. Pigment in einer kleinen Menge Lösungsmittel als Paste ansetzen und ca. 12 Stunden "sumpfen" lassen (siehe dazu Punkt 6.)
  2. Paste zuerst in eine kleine Menge Lasurbindemittel einarbeiten.
  3. Danach in die Gesamtmenge geben und gründlich mischen.
  4. Auf Musterfläche Lasurtechnik testen (Bürste/Quast/Schwamm) und erst dann die Wand lasieren.
Praxis-Tipp: Für identische Flächen immer „nass-in-nass“ arbeiten und Lasur während der Arbeit regelmäßig aufrühren.

Unter Pigmente sumpfen versteht man das Voranrühren von Pigmenten mit Wasser (oder passender Anmachflüssigkeit) zu einer Paste, die anschließend stehen gelassen wird. Dadurch werden Pigmente besser benetzt und verteilen sich später leichter in Farbe, Lasur, Öl oder Lack.

Vorteile:

  • weniger Klümpchen („Farbnester“)
  • homogener Farbton
  • leichteres Einrühren in die Gesamtmenge

Praxis: Paste anrühren, abdecken und mehrere Stunden (idealerweise über Nacht) stehen lassen, dann erneut gut aufrühren.

In der Praxis sind die meisten Farbpigmente untereinander mischbar. Damit lassen sich sehr viele Zwischen- und Pastelltöne erstellen. Wichtig ist, Pigmente vor dem Einrühren trocken (z. B. bei Putz) oder als Paste (bei Farben/Lasuren/Ölen/Lacken) gleichmäßig zu vermengen.

Praxis-Tipp: Wenn Sie einen Ton „treffen“ müssen: Erst kleine Testmengen mischen, Rezept (Gramm-Anteile) notieren, dann hochskalieren.

Ultramarin-Pigmente (z. B. Blau/Violett/Rot) können in bestimmten Systemen besondere Verarbeitungshinweise erfordern. In stark alkalischen Bindemitteln (z. B. Kalk) ist die Verarbeitung häufig zeitkritisch.

Praxis-Empfehlung:

  • Ultramarin-Pigmentierungen in Kalkprodukten zügig verarbeiten und nicht „tagelang“ stehen lassen.
  • Für größere Flächen Arbeitsabschnitte so planen, dass Sie innerhalb der Abbindezeit fertig werden.
Merke: Erst Probeanstrich anlegen, Trocknung abwarten, dann Fläche umsetzen – besonders bei Ultramarin in kalkhaltigen Produkten.

Ob ein Farbton lichtecht und im Außenbereich wetterfest ist, hängt von zwei Faktoren ab: dem Pigment selbst und dem Bindemittel (inkl. Schichtaufbau, Untergrund, Bewitterung).

Grundsatz:

  • Viele mineralische Pigmente sind sehr lichtstabil.
  • Wetterfestigkeit entsteht immer im Zusammenspiel mit dem passenden Bindemittel (z. B. Außen-Kalk/ Silikat/ Öl-System) und richtigem Aufbau.
Praxis-Tipp: Für Außenflächen immer Systemempfehlung beachten (Bindemittel + Untergrund + Schutz/Überarbeitung). Pigment allein macht keinen Außenanstrich „wetterfest“.

Viele Bindemittel lassen sich pigmentieren – allerdings nicht jedes Pigment passt zu jedem Bindemittel. Entscheidend sind Alkalität (z. B. Kalk), Lösemittelbasis (wasserbasiert vs. öl-/lösemittelbasiert) und die gewünschte Eigenschaft (Deckkraft, Lasur, UV-Schutz).

In der Praxis gut pigmentierbar:

  • mineralische Bindemittel (Kalk, Lehm, Silikat – systemabhängig)
  • Lasurbindemittel
  • Öle und Naturharz-Systeme (mit geeigneter Dispergierung)
Merksatz: Erst Bindemittel wählen (innen/außen, Untergrund, Beanspruchung), dann Pigment nach Kompatibilität und gewünschter Optik auswählen.